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Tagung in Brüssel: Nederlandse Politiebond (NPB) und Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu "Gewalt und Fußball in Europa"

Polizeien Europas fitter machen für gemeinsames Bekämpfen von Fußballgewalt

Jörg Bruchmüller, Bundeskassierer und Leiter des Europabüros der GdP in Brüssel, eröffnet die Sitzung der Polizeiexperten aus den Niederlanden und Deutschland zum Thema 'Fußballgewalt in Europa'. Foto: Zielasko
Jörg Bruchmüller, Bundeskassierer und Leiter des Europabüros der GdP in Brüssel, eröffnet die Sitzung der Polizeiexperten aus den Niederlanden und Deutschland zum Thema 'Fußballgewalt in Europa'. Foto: Zielasko
Brüssel.

Die Feierlichkeiten um den neuen Fußball-Champion Europas Portugal sind abgeklungen und die europäischen Ligen längst wieder am Ball, da steht auch das Thema „Ausschreitungen und Gewalteskalation im Fußballgeschehen“ wieder, schon wieder, auf der Tagesordnung – zumindest der von europäischen Polizeiexperten. Denn nach den massiven Krawallen rund um die Fußball-Europameisterschaft im Frühsommer dieses Jahres in Frankreich klopft der nächste Höhepunkt des internationalen Fußballs bereits an die Tür: die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018. Dabei geraten nach Ansicht von Polizeipraktikern Aspekte der internationalen Zusammenarbeit und der Kooperation verschiedener Polizeieinheiten immer mehr im Vordergrund. Polizeigewerkschafter und -Praktiker aus den Niederlanden und Deutschland erörterten in einer zweitägigen Konferenz am Sitz des GdP-Europa-Büros in Brüssel Möglichkeiten, um die Polizeien Europas für die Bekämpfung der Fußballgewalt fitter zu machen .

Tagungsthemen: Störerlage und Konzepte

Gruppenbild vor Beginn der Tagung. Foto: Zielasko
Gruppenbild vor Beginn der Tagung. Foto: Zielasko
Gerade vor dem Hintergrund, dass bei der Europameisterschaft im Frühsommer dieses Jahres in Frankreich Polizeikräfte auf der Basis des Prümer Vertrages eingesetzt wurden und dies 2018 in Russland nicht möglich sein wird, sollten in einer gemeinsamen Veranstaltung der niederländischen Polizeigewerkschaft Nederlandse Politiebond (NPB) und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gewerkschaftspolitische Forderungen im Vorfeld der kommenden WM erörtert und verabschiedet werden.

Zunächst war es um die aktuelle Störerlage sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland gegangen. Zudem wurde das Sicherheitskonzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für internationale Sportereignisse dargestellt. Als Vor-Ort-Beispiel diente zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages eine Erläuterung des polizeilichen Einsatzkonzepts in Rotterdam.

In den Fokus des zweiten Tages wurden politische Einflussmöglichkeiten Europas auf die Bekämpfung internationaler Fußballgewaltkriminalität gerückt.

Über die jeweilige Fußball-Störerlage in den Niederlanden und Deutschland berichteten Gert-Jan van Asperen von der Polizei Rotterdam und der Kölner Polizeioberrat Volker Lange.

Tobias Bochwitz von der Abteilung „Sicherheit und Prävention“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das DFB Sicherheitskonzept bei internationalen Sportereignissen vor. Das polizeiliche Einsatzkonzept in den Niederlanden erläuterte van Asperen, der ach im "Nationalen Projektteam Fußballgewalt" der Niederlande beteiligt ist.

Welche Einflussmöglichkeiten die europäische und die nationale Politik auf die Bekämpfung internationaler Fußballgewaltkriminalität erläuterten ein Vertreter der Brüsseler Landesvertretung Hessens sowie Floris van Laanen, leitender politischer Berater des Bürgermeisters der Stadt Eindhoven.

Hohe Belastung der Einsatzkräfte in Deutschland

Intensiver Meinungsaustausch auch in den Pausen der Expertentagung. Foto: Zielasko
Intensiver Meinungsaustausch auch in den Pausen der Expertentagung. Foto: Zielasko
Einsätze rund um Fußballspiele der Profiligen binden der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zufolge seit Jahren massiv Kräfte der Bereitschaftspolizeien der Länder und des Bundes. Auch der Mitte Oktober veröffentlichte Bericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) für die vergangene Saison 2015/2016 lasse kaum Hoffnung auf eine schnelle Wende aufkommen, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow gegenüber der Presse in Berlin. Nach wie vor würden – rein rechnerisch – mehr als 1.600 Polizeibeamtinnen und -beamte durchgängig darauf achten, dass es beim Fußball friedlich bleibe.

Der ZIS zufolge hatten die eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamte aus den Ländern und dem Bund "zur unmittelbaren Einsatzbewältigung anlässlich der 1.159 betrachteten Spiele an den Standorten der ersten drei Ligen" fast 2,1 Millionen Arbeitsstunden geleistet.

Malchow: „Die Vereine und die Verbände leisten seit Jahren gute Arbeit, um den Fußball friedlicher zu machen. Das muss auch so weitergehen. Die rund 13.700 Störer und Krawallmacher in den drei Profiligen werden die Vereine allein durch gutes Zureden nicht in den Griff bekommen. Die Clubs kennen die Rädelsführer und dürfen sie nicht in die Kurven lassen.“ Notwendig sei, dass Sportgewalttäter unverzüglich identifiziert werden und vor den Richter kommen. Die Technik dafür stehe in den Stadien zur Verfügung. Vereine und Polizei müssten dabei intensiver zusammenarbeiten.

Was sagt der Vertrag von Prüm?

Zum Download bitte Grafik anklicken.
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Der „Vertrag über die Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, zur Bekämpfung des Terrorismus, der Kriminalität und der illegalen Migration“ zwischen Deutschland, Österreich, den Beneluxstaaten, Spanien und Frankreich am 27. März 2005 in Prüm/Eifel unterzeichnet und trat im November 2006 zunächst zwischen Österreich, Deutschland und Spanien in Kraft. Den Vertragsparteien zufolge stellt der Prümer Vertrag einen wichtigen Schritt zur Vertiefung der polizeilichen Zusammenarbeit in der EU dar.

Vor allem ein vereinfachter Datenaustausch sowie eine Verbesserung der operativen Zusammenarbeit der Polizei-, Strafverfolgungs- und Immigrationsbehörden sind die Kernpunkte der Übereinkunft.

Laut einer Kurzzusammenfassung der Bundeszentrale für politische Bildung regelt der Vertrag, dass sich die Unterzeichnerstaaten gegenseitig einen direkten Online-Zugriff auf ihre DNA- und Fingerabdruckdateien gewähren. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, könnte man so feststellen, ob zu einem bestimmten Fingerabdruck oder DNA-Identifizierungsmuster Daten in einem Vertragsstaat gespeichert sind. Sollte ein Treffer festgestellt werden, würden die personenbezogenen Daten auf dem Rechtshilfeweg übermittelt.

Außerdem soll unter anderem der gegenseitige, automatisierte Abruf von Eigentümer-, Halter- und Fahrzeugdaten aus den Fahrzeugregistern praktiziert werden. Zu kriminalitätspräventiven Zwecken werden bei Großveranstaltungen und zur Terrorismusbekämpfung werden auch ohne Ersuchen einer Vertragspartei Daten ausgetauscht.