Zum Inhalt wechseln

Landesjournal Niedersachsen Februar 2019 - Leitartikel - Ist die Forderung nach mehr Personal übertrieben?

Hannover, 24.01.2019. Gewerkschaften sehen sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, dass ihr Ruf nach Personalverstärkung übertrieben sei. Aber ist diese Kritik berechtigt? Wir, die GdP, wissen, dass dieser Vorwurf falsch ist. Die weitere Forderung nach mehr Personal ist mehr als berechtigt! In allen Bereichen zeigt sich ein Mangel und der Dienstbetrieb wird oft nur durch Phantasie, Engagement und Wohlwollen der Beschäftigten aufrechterhalten.

Mit der sogenannten Soll-Stärke zum Beispiel wird die Mindestanzahl an Beamtinnen und Beamten einer Schicht im Einsatz- und Streifendienst definiert. Leider zeigt die Realität, dass die Ist-Stärke mittlerweile überwiegend mit der Soll-Stärke identisch ist. Daraus resultiert, dass es kaum Reserven in der Personalplanung einer betroffenen Schicht gibt. Treten unvorhergesehene oder auch geplante Ausfälle wie beispielsweise durch Krankheiten oder Fortbildungen auf, wird selbst die Soll-Stärke unterschritten. Die Folgen liegen auf der Hand: Mehrdienste und Überstunden stehen für die Beschäftigten auf der Tagesordnung und sind mittlerweile Alltag. Der Dienstbetrieb kann häufig überhaupt nur noch durch die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen aufrechterhalten werden.

Dabei spielen die Befindlichkeiten der Betroffenen und ihre persönliche Lebensplanung oftmals eine untergeordnete Rolle. Eine verlässliche Freizeitgestaltung ist so nur schwer möglich.

Die Arbeitszeitverordnung wird missachtet

Dies alles funktioniert nur unter vollständiger Außerachtlassung der europäischen Arbeitszeitregelungen. Doch damit ist auch der Gesundheitsschutz der Beschäftigten in Gefahr. Dieser kann jedoch nur mit ausreichend Personal gewährleistet werden!

Die Treuepflicht geht sehr weit. Sie darf aber nicht in Aufopferung unter Vernachlässigung der persönlichen Bedürfnisse und der eigenen Gesundheit umschlagen. Der Dienstherr darf nicht weiter auf die Gutmütigkeit und das Wohlwollen seiner Beschäftigten bauen und einen kalkulierten Rechtsbruch im Hinblick auf die Vorgaben zum Arbeitszeitschutz manifestieren. So kann die Aufgabenwahrnehmung im öffentlichen Dienst und somit auch bei der Polizei nicht dauerhaft funktionieren.
Das Jahr 2019 wird eine Herausforderung. Es droht, dass die Arbeitsverdichtung weiter zunimmt. Es ist aber so, dass die Beschäftigen schon jetzt unter Dauerstress leiden, überall häufen sich die Überstunden. Der Arbeitgeber muss endlich damit aufhören, die Arbeit von fehlenden Mitarbeitern/-innen denjenigen aufzulasten, die noch da sind. Und auch die Attraktivität der Berufsbilder in der Polizei, egal ob Tarifbeschäftigter oder Beamtin, muss weiter verbessert werden. Die Menschen sind flexibler geworden und schauen sehr genau hin, wo die Bezahlung, das Umfeld und die innere Kultur stimmen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Hier in Niedersachsen gibt es trotz einiger durchgesetzter Verbesserungen weiterhin noch erheblichen Nachholbedarf.

In einem Jahr mit hohen Pensionierungszahlen ohne ausreichenden Nachwuchs wird es schwer, die aktuell aufs äußerste strapazierte Situation zu halten und einen reibungslosen Dienstbetrieb zu gewährleisten. Das wird auch nicht durch die zusätzlichen – von uns hart erkämpften – Einstellungen aufgefangen.

Die rund 170 Kolleginnen und Kollegen, die im April dieses Jahres ihr Studium an der Polizeiakademie abschließen, werden vordringlich eingesetzt, um die Bereitschaftspolizei aufzufüllen. Dort sind die Einsatzstärken auch seit einigen Jahren sogar unter dem Soll.

Die Zustandsbeschreibung zeigt deutlich, dass die Forderung nach Personalzuwachs alles andere als übertrieben und weltfremd ist. Die Politik sollte deutlicher anerkennen, dass es dabei nicht nur um die Erfüllung polizeilicher Aufgaben geht, sondern dass das Land auch eine Verantwortung für seine Beschäftigten hat, und dementsprechend handeln.

Dabei kann die Forderung nach Einhaltung von geltendem Recht nur eine Minimalforderung sein. Doch selbst diese wird unverständlicherweise häufig belächelt und mit dem Hinweis abgetan, dass Gewerkschaften so etwas ja fordern müssten, ohne dass es wirklich notwendig wäre. Die Realität ist eine andere, und die GdP nimmt ihre Verantwortung für die Kolleginnen und Kollegen sehr ernst. Deshalb lassen wir nicht nach, unsere Forderungen zu wiederholen, nachdrücklich zu bekräftigen und immer wieder an alle politisch Verantwortlichen heranzutragen.

Dietmar Schilff

Landesvorsitzender

Der Karikaturist Jürgen Tomicek hat für die Verbesserung der Soll-Stärke eine recht pragmatische Lösung parat. Karikatur: Tomicek

Download der gesamten Ausgabe dieses LandesJournals und älterer Ausgaben als PDF-Datei nach Freigabe beim Bundesvorstand: >>>
oder ab 01. des Ausgabemonats hier:
20190201_DP_LJ_NI_2019_02_final.pdf20190201_DP_LJ_NI_2019_02_final.pdf

Mitglieder können die gesamte Ausgabe des LandesJournals und ältere Ausgaben als PDF-Datei auch frühzeitig downloaden.
  • Voraussetzung in dieser Sitzung ist die Authentisierung durch unser Login-Verfahren >>>.
  • Sie haben noch kein Mitglieds-Login? Beantragen Sie es hier >>>.
  • Sie sind schon eingeloggt? Dann direkt zu den Downloads >>>
Falls Sie einen Leserbrief zu einem Artikel in DEUTSCHE POLIZEI schreiben möchten, klicken Sie bitte auf das jeweilige Mail-Zeichen.
Bitte vergessen Sie nicht, den Artikel zu nennen, zu dem Sie sich äußern möchten.
.
Zu einem Artikel des LandesJournals Niedersachsen:

redaktion@gdpniedersachsen.de

Zu einem Artikel des bundesweit einheitlichen Teils:

leserbrief-dp@gdp-online.de
.

Die Leitartikel aller Ausgaben von DEUTSCHE POLIZEI LandesJournal Niedersachsen des gewählten Jahres:

Landesjournal Niedersachsen November 2019 - Leitartikel - Strategieforum der niedersächsischen Polizei - Demokratische Resilienz

Beim nunmehr siebten Strategieforum der niedersächsischen Landespolizei hat Innenminister Boris Pistorius in seinem Begrüßungsstatement dargestellt, dass sich der öffentliche Dienst - und somit auch die Polizei - noch intensiver mit den neuen populistischen Herausforderungen, die in erster Linie aus dem rechtsextremen Bereich kommen, beschäftigen muss.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Oktober 2019 - Leitartikel - 70 Jahre GdP Niedersachsen – eine Erfolgsgeschichte

Eine 48-Stunden-Woche inklusive 10 Stunden Exerzieren, eine Ausbildung am Maschinengewehr der Wehrmacht und im Handgranatenwerfen, 428,95 DM netto für einen unverheirateten Oberwachtmeister - das ist heute unvorstellbar, war aber Ende der 1950er Jahre bzw. 1960er Jahre noch Polizisten-Alltag. Seitdem hat sich Vieles zum Besseren verändert, manches erscheint aber genauso problematisch wie früher.

mehr

Landesjournal Niedersachsen September 2019 - Leitartikel - Keine Sonderzahlung für Pensionäre – und auch Aktive nach wie vor abgehängt

Der Wiedereinstieg in eine Sonderzahlung kommt. Das sehen wir trotz des zu geringen Betrags positiv. Wir kritisieren aber, dass Pensionäre/-innen außen vorgelassen werden: Auf die Anfang Juli präsentierten Vorstellungen der Landesregierung für den Haushalt 2020 haben wir als GdP sofort Nachbesserungen eingefordert.

mehr

Landesjournal Niedersachsen August 2019 - Leitartikel - Haushaltsklausur der Landesregierung – Ergebnisse für Innere Sicherheit politisch fahrlässig!

Am 30. Juni und 1. Juli 2019 führte die Landesregierung ihre Klausurtagung für den Haushalt 2020 in einem gut klimatisierten Hotel in Hannover durch. Auch eine Abordnung der GdP war an diesem heißen Sonntag vor Ort und übergab Ministerpräsident Stephan Weil sowie Finanzminister Reinhold Hilbers noch einmal unsere gewerkschaftlichen Forderungen für den Polizeibereich. Wie immer gutgelaunt, nahmen beide das Papier an und versprachen, sich Mühe zu geben. Das Ergebnis für den Polizeibereich war dann allerdings mehr als ernüchternd.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Juli 2019 - Leitartikel - Das lange Ringen um die Besoldungserhöhung 2019

Die Situation bei der Beamtenbesoldung in Niedersachsen ist weiterhin absolut unbefriedigend! Uns erreichen deshalb immer wieder E-Mails und Briefe von unzufriedenen GdP-Mitgliedern, die sogar über einen Austritt nachdenken und den Landesvorstand zum Handeln auffordern. Dem möchten wir an dieser Stelle entgegnen: Wir sind für Euch aktiv! Öffentlich, aber auch hinter den Kulissen. Wir brauchen aber – gerade beim Thema Finanzen – einen langen Atem. Aber den haben wir. Und wir lassen in unserem Bemühen um Verbesserungen für Vollzug, Verwaltung und Tarifbereich nicht locker.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Juni 2019 - Leitartikel - Mitgliederbefragungen „Polizeiclient“ und „Marode Dienststellen“: Nicht alles schlecht, ABER ...

„Vielen Dank, dass Ihr Euch diesem Thema annehmt“ oder „vielen lieben Dank, für die Möglichkeit, sich auch mal Luft zu machen“: Unsere Aufrufe, uns Erfahrungen mit dem „Polizeiclient“ zu schildern und Beispiele dafür zu schicken, wie marode manche Dienststellen sind, sind von Euch sehr gut angenommen worden. Wir danken für die Rückmeldungen und für Euer Vertrauen, das Ihr in uns als Gewerkschaft setzt. Somit können wir als Landesvorstand gemeinsam mit dem PHPR den Handlungsbedarf viel besser und konkreter formulieren.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Mai 2019 - Leitartikel - Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf

Wie sich Familie, Freizeit und Beruf miteinander vereinbaren lassen, hängt ganz wesentlich von der Gestaltung der Arbeitszeit ab. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen und auch eine Erkenntnis unserer jahrelangen gewerkschaftlichen Arbeit. Nunmehr sechs GdP-Arbeitsschutzsymposien haben das ebenfalls bestätigt.

mehr

Landesjournal Niedersachsen April 2019 - Leitartikel - Tarifabschluss 2019 – ein Rückblick auf zähe und schwierige Verhandlungen

Die Tarifverhandlungen 2019 haben am 28. Februar 2019 für Elke Gündner-Ede, Imme Hildebrandt und Andreas Kauß, die als Vertreter der GdP Niedersachsen an der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam teilnahmen, mit einem Paukenschlag begonnen!

mehr

Landesjournal Niedersachsen März 2019 - Leitartikel - Marode Dienststellen: Wo das Gift aus der Lampe tropft

„Zerbröckeln die Polizeigebäude“, „Ekelalarm bei Hannovers SEK“, „Sanierungsstau bei der Polizei“ – so oder ähnlich lauten schon seit Jahren immer wieder Schlagzeilen niedersächsischer Tageszeitungen. Mindestens genauso lange fordert die GdP Niedersachsen, dass noch mehr und kräftig in Liegenschaften investiert werden muss. Denn die Investitionen ins Personal selbst sind zwar wichtig, mindestens ebenso notwendig ist es aber, dass alle Polizeibeschäftigten ein gutes und gesundes Arbeitsumfeld haben.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Februar 2019 - Leitartikel - Ist die Forderung nach mehr Personal übertrieben?

Hannover, 24.01.2019. Gewerkschaften sehen sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, dass ihr Ruf nach Personalverstärkung übertrieben sei. Aber ist diese Kritik berechtigt? Wir, die GdP, wissen, dass dieser Vorwurf falsch ist. Die weitere Forderung nach mehr Personal ist mehr als berechtigt! In allen Bereichen zeigt sich ein Mangel und der Dienstbetrieb wird oft nur durch Phantasie, Engagement und Wohlwollen der Beschäftigten aufrechterhalten.

mehr

Landesjournal Niedersachsen Januar 2019 - Leitartikel - Was bringt uns 2019 – Was muss passieren?

Hannover, 21.12.2018. Das letzte Jahr ist Vergangenheit, und wir starten in ein neues ereignis- und hoffentlich erfolgreiches Jahr. Deshalb schauen wir an dieser Stelle zurück und nach vorne. Allen Kolleginnen und Kollegen sowie ihren Familienangehörigen und Freunden wünscht die GdP aber zunächst einmal ein gesundes neues Jahr. Das ist das Allerwichtigste.

mehr
This link is for the Robots and should not be seen.